
Der eigenwirtschaftliche Glasfaserausbau in Österreich steht vor entscheidenden Herausforderungen. Eine aktuelle Studie eines Forschungsteams rund um den ehemaligen Alpen Glasfaser Geschäftsführer Johannes Gungl zeigt auf, dass hohe Kosten und bürokratische Hürden den Ausbau moderner Glasfasernetze erheblich bremsen. Gleichzeitig identifiziert die Untersuchung konkrete Maßnahmen, mit denen der Ausbau beschleunigt und deutlich mehr Haushalte mit zukunftssicherer Infrastruktur versorgt werden könnten.
Abbau von bürokratischen Hindernissen
Ein Glasfaserprojekt, 8 Gesetze, 10 Genehmigungen bei 6 verschiedenen Behörden. Diesem Aufwand sehen sich die Netzerrichter gegenüber. Das kostet Zeit und Geld. Es gibt Möglichkeiten, die Verfahren zu beschleunigen. So werden unter anderem Bewilligungsfreistellungen und Genehmigungsfiktion als praktikable Lösungsansätze vorgeschlagen.
Zugang zu Mehrparteienhäusern
Auch bei Mehrparteienhäusern sieht die Studie dringenden Reformbedarf. Aktuell verhindern komplexe Zustimmungsverfahren den Anschluss von rund jedem fünften Gebäude. Als Vorbild wird Frankreich genannt, wo ein gesetzliches Recht auf Glasfaseranschluss für Bewohnerinnen und Bewohner von Mehrparteienhäusern bereits Realität ist.
Reduktion von Tiefbaukosten durch Aufgrabungsstandards
Rund 80% der Kosten des Glasfaserausbaus verschlingt der Tiefbau. Planung, Material, Bauaufsicht, Dokumentation und Projektmanagement machen den Rest aus. Durch überbordende Grabungs- und Wiederherstellungsanforderungen verteuert sich der Ausbau in manchen Projekten um bis zu 50%. Dadurch sinkt der mögliche Ausbaugrad in einem Projekt. Haushalte werden nicht ausgebaut, weil sie unwirtschaftlich werden.
Gleichzeitig muss der Schutz der kommunalen Infrastruktur ein zentrales Versprechen der Branche sein. Ein harmonisierter Standard bedeutet laut den Autoren keinen Verzicht auf Substanzschonung, sondern definiert klare, technisch fundierte Anforderungen für eine fachgerechte Aufgrabung und Wiederherstellung der Verkehrsflächen.
Die Studienautoren kommen zu einem klaren Schluss: Mit gezielten gesetzlichen Anpassungen könnten Investitionen effizienter eingesetzt, bürokratische Hürden abgebaut und der Glasfaserausbau in Österreich nachhaltig beschleunigt werden.
Fernsehtipp: Bürokratieabbau
Passend zum Thema erläutert unser CTIO Bernhard Deixler in einer OE24-Diskussionsrunde Vorschläge für einen einfacheren und effizienteren Glasfaserausbau in Österreich: OE24-Sendung
Rückfragen zur Studie: JG Management Consulting, Johannes Gungl, johannes.gungl@chello.at
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